Die Umnutzung eines ehemaligen Bankgebäudes aus dem 19. Jahrhundert zu modernen Wohnungen erforderte tiefgreifende Eingriffe in die bestehende Gebäudestruktur. Grundrisse, die ursprünglich für den Betrieb eines Geldinstituts konzipiert wurden, mussten an die heutigen Anforderungen zeitgemäßen Wohnens angepasst werden. Hierfür waren zahlreiche neue Wandöffnungen und Durchbrüche innerhalb der tragenden Konstruktion herzustellen.
Gerade bei historischen Bestandsgebäuden stellt jede Öffnung in einer tragenden Wand eine anspruchsvolle ingenieurtechnische und handwerkliche Aufgabe dar. Die vorhandenen Wände bestanden aus nahezu 1,00 m starkem Natursteinmauerwerk, das aus unregelmäßig gebrochenen Steinen errichtet wurde. Charakteristisch für Bauwerke dieser Zeit sind bindemittelarme Mörtel, da Zement und Kalk im 19. Jahrhundert wertvolle Baustoffe waren und deshalb sparsam eingesetzt wurden. Das Tragverhalten solcher Konstruktionen unterscheidet sich grundlegend von modernen Mauerwerks- oder Stahlbetonbauwerken und erfordert ein sensibles und zugleich erfahrenes Vorgehen.
Die Herstellung der Wanddurchbrüche verlangte deshalb weit mehr als den Einsatz geeigneter Maschinen. Entscheidend waren die sorgfältige Analyse der vorhandenen Konstruktion, die kontrollierte Lastabtragung während der Bauphase sowie eine Ausführung, die den historischen Gebäudebestand dauerhaft schützt. Jeder Eingriff wurde individuell geplant und Schritt für Schritt umgesetzt, um die Standsicherheit des Bauwerks in jeder Bauphase sicherzustellen.
Besonders anspruchsvoll waren die Durchbrüche in den bis zu einem Meter starken Natursteinwänden. Hier waren Erfahrung, handwerkliches Geschick und ein tiefes Verständnis historischer Bauweisen gefragt. Jeder Stein reagiert anders, jedes Mauerwerk besitzt seine eigene Struktur und jedes historische Gebäude folgt seiner eigenen konstruktiven Logik. Standardlösungen gibt es hier nicht – gefragt sind Präzision, Fingerspitzengefühl und die Fähigkeit, das Tragverhalten eines gewachsenen Bauwerks richtig einzuschätzen.
Historische Bauwerke lassen sich nicht nach Standard bearbeiten. Jedes Gebäude erzählt seine eigene konstruktive Geschichte – sie zu verstehen und mit Respekt fortzuschreiben, ist die Grundlage unseres Handelns. Deshalb verbinden wir ingenieurtechnisches Know-how mit handwerklicher Präzision und jahrzehntelanger Erfahrung im Bauen im Bestand. So entstehen Lösungen, die den Charakter historischer Bauwerke bewahren und gleichzeitig den Anforderungen moderner Nutzungskonzepte gerecht werden.
Wir verstehen Bauwerke, bevor wir sie verändern.