Statische Ertüchtigung, Umbau und Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes; Gasthaus zum Ochsen, Zähringen

Wo einst legendäre Schnitzelgerichte und badische Klassiker serviert wurden, entsteht in den historischen Mauern des traditionsreichen Gasthauses zum Ochsen in der Zähringer Ortsmitte neuer Raum für Wohnen, Arbeiten und ein Café. Die Umnutzung des über Jahrhunderte gewachsenen Gebäudekomplexes stellt dabei besondere Anforderungen an den sensiblen Umgang mit der historischen Bausubstanz und an die statische Ertüchtigung des Gebäudes.

Was sich für unsere Spezialisten im Bauen im Bestand zunächst als überschaubare Maßnahme darstellte, entwickelte sich nach und nach zu einer außergewöhnlich komplexen Bauaufgabe. Die Gebäudestruktur, deren Ursprünge bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen, erwies sich nach dem Freilegen der tragenden Bauteile als teilweise erheblich geschädigt. Eine Gebäudeecke war im Laufe der Zeit um rund 14 cm abgesackt – eine Verformung, die bislang weder umfassend untersucht noch dauerhaft behoben worden war.

Weitere Öffnungen der Konstruktion offenbarten Tragwerksbereiche, deren ursprüngliche Dimensionierung den Anforderungen der geplanten zukünftigen Nutzung bei Weitem nicht mehr entsprach. Damit wurde schnell deutlich: Eine nachhaltige Sanierung konnte nur durch ein umfassendes Zusammenspiel aus Bestandsanalyse, kontrollierter Rückbauplanung, statischer Ertüchtigung und präzise gesteuerten Bauzuständen gelingen.

Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeiten waren umfangreiche Hebungsmaßnahmen, mit denen die abgesackten Gebäudebereiche kontrolliert zurückgeführt und die Voraussetzungen für die weitere Ertüchtigung geschaffen wurden. Anschließend mussten in einem der drei Gebäudeteile zahlreiche groß dimensionierte Stahlprofile als neue Träger und Stützen in die vorhandene Tragstruktur integriert werden.

Die Montage dieser Stahlkonstruktionen stellte dabei besondere Anforderungen an Planung und Ausführung. Die Profile mussten teilweise unter bestehenden Decken und Dachkonstruktionen eingebracht werden. Gleichzeitig waren temporäre Abfang- und Abstützkonstruktionen erforderlich, die sich teilweise über mehrere Geschosse erstreckten. Jeder einzelne Bauzustand musste hinsichtlich Lastabtragung, Verformung und Standsicherheit sorgfältig vorbereitet und überwacht werden, bevor der nächste Eingriff in die historische Tragstruktur erfolgen konnte.

Eine weitere anspruchsvolle Maßnahme war die Tieferlegung eines bestehenden Kellerraums unterhalb des ehemaligen Saals um rund 75 cm. Um die erforderliche neue Höhenlage zu schaffen, mussten die bestehenden Kelleraußenwände abschnittsweise unterfangen und die Gründung damit sukzessive an das neue Niveau angepasst werden. Die Arbeiten verlangten ein Höchstmaß an Sorgfalt, da jeder Eingriff unmittelbar Einfluss auf die Standsicherheit der angrenzenden historischen Gebäudeteile hatte.

Auch der Rückbau erfolgte unter besonderen Anforderungen an den Schutz der vorhandenen Bausubstanz. Aufgrund der unterschiedlichen Bauzustände konnten Bauteile nicht einfach vollständig entfernt werden. Stattdessen musste der Rückbau abschnittsweise, kontrolliert und auf den jeweiligen statischen Zustand abgestimmt erfolgen. Erst durch dieses schrittweise Vorgehen konnte die bestehende Konstruktion während der gesamten Bauphase sicher erhalten werden.

Im ehemaligen Saal zeigte sich eine weitere Besonderheit des historischen Gebäudes. Eine stark geschädigte Holzbalkendecke in unmittelbarer Nähe zum Erdreich musste vollständig zurückgebaut werden. Gleichzeitig waren zwei tragende gusseiserne Stützen vorhanden, deren Fundamente für die zukünftige Nutzung ertüchtigt werden mussten. Nach der Sicherung und Verstärkung dieser historischen Tragglieder wurden neue Streifenfundamente und im Anschluss die darauf geplante Bodenplatte hergestellt.

Die Vielzahl unterschiedlicher Bauverfahren, von Hebungsarbeiten über Stahlbau und temporäre Abfangungen bis hin zu Unterfangungen, Rückbau und Massivbau – erforderte eine exakt aufeinander abgestimmte Arbeitsvorbereitung. Unterstützt wurde die Ausführung durch speziell auf Arbeiten im Bestand abgestimmte Maschinentechnik, die es ermöglicht, auch unter beengten Bedingungen präzise und wirtschaftlich zu arbeiten.

Gerade bei historischen Gebäuden zeigt sich, dass kein Bauzustand dem anderen gleicht. Erst das Verständnis für die gewachsene Konstruktion, kombiniert mit ingenieurtechnischem Know-how, geeigneter Maschinentechnik und handwerklicher Präzision, ermöglicht sichere und nachhaltige Eingriffe in den Bestand.

Wir verstehen Bauwerke, bevor wir sie verändern. Und wir wissen: Wo historische Konstruktionen über Jahrhunderte gewachsen sind, entstehen tragfähige Lösungen nicht nach Standard – sondern durch Erfahrung, sorgfältige Planung und das handwerkliche Können unserer Mitarbeiter. So verbinden wir den respektvollen Umgang mit historischer Bausubstanz mit den technischen Anforderungen einer modernen Nutzung.

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