Umbauten im Bestand stellen besondere Anforderungen Arbeitsvorbereitung und Planung sowie deren Umsetzung. Insbesondere bei der Erneuerung von Treppenanlagen ist das Einbringen großformatiger und schwerer Bauteile häufig eine der entscheidenden Herausforderungen. Fehlende Zugänge von oben, beengte Treppenhäuser und die Notwendigkeit, Bauarbeiten möglichst ohne Beeinträchtigung der bestehenden Nutzung durchzuführen, machen den Einsatz großer Hebegeräte oftmals unwirtschaftlich oder sogar unmöglich.
Für den Umbau eines bestehenden Treppenhauses entwickelten wir deshalb eine modulare Treppenkonstruktion, die vollständig auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmt wurde und sich mit geringem Personaleinsatz in den Bestand einbringen und vor Ort zu einem tragfähigen Gesamtbauteil montieren ließ.
Grundlage für die Konstruktion war ein präzises Aufmaß der vorhandenen Bestandssituation. Auf dieser Basis wurden die Treppenläufe in unserer Konstruktionsabteilung individuell geplant, elementiert und anschließend im Werk gefertigt und abgebunden. Abhängig von Laufbreite und Lauflänge wurden die Laufplatten in zwei beziehungsweise drei transport- und montagegerechte Elemente aufgeteilt.
Die Dimensionierung der einzelnen Bauteile wurde dabei bewusst so gewählt, dass sie von zwei Personen bewegt und innerhalb des bestehenden Treppenhauses positioniert werden konnten. Damit konnte auf den Einsatz eines Krans oder anderer schwerer Hebetechnik vollständig verzichtet werden.
Vor Ort wurden die einzelnen Laufplattenelemente positioniert und über kraftschlüssige Verschraubungen zu einem durchgängigen Treppenlauf verbunden. Auf die so hergestellten Laufplatten wurden anschließend die aus CLT gefertigten Keilstufen montiert und ebenfalls kraftschlüssig verschraubt.
Das Ergebnis war eine vollständig trockene und sofort belastbare Treppenkonstruktion, die sich mit einem sehr hohen Vorfertigungsgrad innerhalb kürzester Zeit in den Bestand integrieren ließ. Innerhalb nur eines Arbeitstages konnten zwei komplette Treppenläufe einschließlich der zugehörigen Keilstufen in das bestehende Treppenhaus eingebracht und montiert werden.
Besonders bei Umbauten im bewohnten Bestand bietet dieses Montagekonzept wesentliche Vorteile. Da sämtliche Bauteile trocken und montagefertig angeliefert wurden, entstand keine zusätzliche Baufeuchte. Gleichzeitig entfielen sämtliche Aushärte- und Trocknungszeiten, wie sie beispielsweise bei Ortbetonkonstruktionen erforderlich wären. Die nachfolgenden Ausbauarbeiten konnten unmittelbar im Anschluss fortgeführt werden.
Die Herausforderung lag dabei nicht allein in der Konstruktion der Treppenläufe. Entscheidend war die Entwicklung eines Gesamtkonzepts, bei dem Aufmaß, Konstruktion, Elementierung, Fertigung, Transport und Montage bereits im Vorfeld auf die besonderen Bedingungen des Bestandsgebäudes abgestimmt wurden.
Modulares Bauen bedeutet für uns nicht, Standardbauteile einfach zusammenzusetzen. Es bedeutet, komplexe Einbausituationen zu verstehen und daraus eine Konstruktion zu entwickeln, die technisch funktioniert, wirtschaftlich umgesetzt werden kann und sich optimal in den vorhandenen Bestand integrieren lässt.
Dieses Projekt zeigt exemplarisch, wie sich durch präzise Arbeitsvorbereitung, intelligente Elementierung und handwerklich saubere Montage auch unter schwierigsten räumlichen Bedingungen leistungsfähige Holzbaulösungen realisieren lassen.
Präzision beginnt mit dem Aufmaß, setzt sich in der Konstruktion und Vorfertigung fort und zeigt sich schließlich in einer Montage, bei der aus einzelnen handhabbaren Elementen innerhalb kürzester Zeit ein fertiges Bauteil entsteht.